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Antarktis, Skizze #2

Wenn alles gut ist, ist alles so besonders gut. Das Mama Baby Ei. So eine Liebe. Innigkeit. Ruhe. Ein schlafendes Kind im Arm. Ein zufriedenes Kind im Tragesack. Ein Kind, das gestillt wird. Ein Kind, das mit dem Schlüsselbund spielt. Dann ist alles gut. Und überschaubar. Eins nach dem Anderen. Unsere kleinen Kreise, unsere Routine, und ganz viel Liebe. Aber. Das Andere. In mir. Ist auch. Ist in diesen Wochen nie weit weg. Das Fremde. Das Verlorene, Hilflose, Unsichere. Das zu etwas geworden ist jenseits von Unsicherheit. Meine Wanderung, stundenweise, manchmal tagelang. Antarktis. Und diese Baby-Tage sind lang. Wenig zu tun, das dafür den ganzen Tag. Jeden Tag. Die Nächte noch länger, nachts alle 2 bis 3 Stunden stillen, kaum Schlaf. So geht das 6 Monate, 7 Monate, 8 Monate, 9 Monate lang. Als das herrliche Kind 9 Monate alt ist, ist es am extremsten. Stündlich stillen, jede Nacht. Ich vergesse ständig alles. Den Schlüssel verliere ich, das Handy verlege ich. Abends weiß ich nich...

Antarktis, Skizze #1

Und in mir ist die Antarktis passiert. Oder postpartale Depression und Angst. Vor allem Angst. Aber eine Angst, die geschickt ist. Die sich nicht eindeutig wie Angst anfühlt. Begonnen hat es in der Schwangerschaft. Dass ich mich nicht sicher gefühlt habe. Ich war unsicher, ob es Raum und Ruhe für die Entbindung geben würde im Patchwork Schlachtfeld, das damals bestanden hat. Die Notwendigkeit, das Baby im Intervall zu bekommen, wenn das große Kind bei seiner Mutter ist. Anspannung. Ein Saum von Unruhe an jedem Gefühl. An einem Sonntag im Intervall habe ich mein herrliches Kind geboren, schnell, komplikationsfrei. Er war da und ich hätte nach Hause gehen können, alles in Ordnung. Aber besser bleiben, sicher gehen. Sicher. War ich leider nicht. In der ersten Nacht der erste Kontakt mit einer neuen Form von Unsicherheit. Nicht außen. Innen. Im Kontakt mit dem herrlichen Kind. Ganz innen, mit mir als Mama. Kann ich das. Ich kann das doch nicht. Dieses vollkommene, winzige, absolut hilfl...

Kita Sommerfest

Dreißig Minuten Trotzanfall. Eben. Auf dem Weg nach Hause vom Kita Sommerfest. Weil wir vom Fest nach Hause aufgebrochen sind. Nur fürs Protokoll, das Fest war aus. Das herrliche Kind hätte schon seit einer Stunde Mittagsschlaf machen sollen. Und ich war das erste Mal einen kompletten Vormittag mit ihm in seiner Kita. Viele Gefühle, viel Aufregung für die Babyseele. Kleinkindseele. Zum ersten Mal überhaupt hat er geweint, weil wir aus der Kita weg gegangen sind. Und sich in seinen allerersten de luxe Wutanfall über 30 Minuten hineintheatert, mit Schreien und Weinen, Unmengen Rotz und Speichel, auf dem Boden liegen, Strampeln, das volle Programm. Im Strom der nach Hause gehenden anderen Eltern. Ich konnte ihn nicht einfach weg tragen, weil er so stark geworden ist und sich gewehrt hat, wie ein Wilder. Also auf den Treppen vom Synagogen Platz vor der Kita sitzen und warten und atmen und es toben lassen, das herrliche Kind. Sich müde toben lassen. Dann nach Hause tragen, immer noch wild ...

In drei Wochen findet der Familienurlaub statt

In drei Wochen findet der Familienurlaub statt. Alle meine Geschwister mit all ihren Kindern. Und wir. Und, wie ich nun weiß, der große Sohn vom herzvollen Vater. Das ist eine Menge. In absoluten Zahlen, wir sind viele. Und eine Menge Themen, Konfliktpotential. Es ist mir eigentlich zu viel. Zu viel, um alles zu überblicken. Sowieso. Jetzt im Speziellen. Ich möchte das eigentlich nicht. Ich holpere damit in mir herum. Schlaflose Nacht. Beklemmung heute. Die Entscheidung dazu war kurzfristig, irgendwie an mir vorbei, die Organisation hektisch und die Kommunikation unvollständig - ein weiteres fatales Immer-das-Selbe. Mit das Fatalste. Und wir sind keine gute Mischung. Gar keine Mischung eigentlich. Es mischt sich nicht, ich kriege die Verbindung nicht. Das ist der bitterste Teil unserer Geschichte. Das mißglückte Patchwork. Der herzvolle Vater ist eine Front, die Mutter vom großen Sohn und die Herkunftsfamilie vom herzvollen Vater sind eine andere Front, ich bin auf verlorenem Posten. ...

Ich hab so eine Österreichisch Sehnsucht

Ich hab so eine Österreich Sehnsucht heute. Ich vermisse das grantige Österreich, das kein-Wort-zuviel-verlieren, nix erklären. Ich vermisse das sture, kompromisslose Österreich, das Schimpfwörter benutzt, im Dialekt. Ich vermisse das "mir wurscht". Der Tag war lange und kompliziert. 26 verschiedene Gefühle in 8 Stunden. Das wie-ich-sein-will reibt sich am wie-ich-bin, weil es überprüft wird. Wie viel anständiger ich bin, solange nicht die Notwendigkeit entsteht, es zu sein. Notwendig ist es. Gerade. Anständig und konsequent zu sein. Außerhalb der Komfortzone. Ich bin grantig.  Und müde. Müdemüdemüde.  Mir wurscht heute. Alles. Chips. Krimiserie mit dem österreichischen Who-is-who, nicht zurück rufen heute und Nachrichten nicht mehr beantworten heute. Nicht weiter nachdenken und nix mehr müssen. Servas, Pfiat di, Baba.

Und dann waren wir doch ein Team

Und dann waren wir doch ein Team gestern. Der herzvolle Vater und ich. Wir haben es gemanaged. Er hat das herrliche Kind abgeholt, haben uns auf dem Weg zum Spielplatz getroffen. Waren auf einem der Spielplätze mit Pritschelbecken. Das Kind im Wasser, im Glück und ich auch. (Wie sehr ich ihn montags immer vermisse nach 48 Stunden Wochenende zusammen.) 2 Stunden baden, Erdbeeren essen, kuscheln. Bis die Katzen munter werden. Um 18 Uhr sind wir zur Tierklinik gefahren, alle drei. Der Doktor hat etwas sparsam geguckt. Sie waren nicht nüchtern, hat er gesagt. Und beide rollig. So wie es nicht sein soll. Sie haben sich übergeben. Viel geblutet. Ich habe gedacht, sie waren beide um 10 Uhr in dem verdammten Katzenkorb. Und hier.  Und meine Zähne waren geputzt, die Hose war zu. So sieht Erfolg aus in dieser Familie. Und natürlich waren sie nicht nüchtern. Der vollherzige Vater hat sie abends liebevoll gefüttert, aus Versehen. Ich habe morgens abgewogen, mehr Narkose wird nötig sein, schl...

Um 4 Uhr morgens

Um 4 Uhr morgens hat sich die Katze hinter die Jalousien gezwängt, die schwarz-weiße Katze. Die eine von  beiden, die auch noch immer in die Wohnung pinkelt. Ich mag sie weniger als die getigerte Katze und das ist nicht nett von mir. Es liegt daran, dass sie den Teppich kaputt gepinkelt hat. Wir werden ihn weg schmeißen, wenn wir ausziehen. Auch das Sofa. Kommt weg. Ich möchte die Katzen nicht nehmen. Deshalb. Keine Energie, sie stubenrein zu erziehen, was auch immer der Grund ist für dieses Protest Pinkeln. Ich habe zu wenig Zeit und zu wenig Energie, diese Katze so gut erziehen wie ihre Schwester. Diese schwarz-weiße Katze macht deutlich, dass ich nicht nett bin, weil ich keine Kapazitäten mehr habe. Macht es mir deutlich. Dafür mag ich sie auch weniger. Heute Morgen um 4 Uhr war sie am offenen Fenster und hat in den Hinterhof gemaunzt. Und ich war einmal mehr wach deswegen und ungeduldig. Habe sie unsanft geschnappt, aus dem Schlafzimmer befördert. Gehört, dass es aus dem Ho...

Die Angst

Die Angst ist zwar postpartal gekommen, quasi mit dem Baby, aber ich beobachte momentan, dass das herrliche Kind sie kaum noch triggert. Eigentlich gar nicht mehr. Wenn ich jetzt fahrig werde, unruhig, schnell nach Hause muss, wenn jetzt das Adrenalin kreist, dann im Wesentlichen aus 2 Gründen: 1. weil ich zu intensiv mit dem Fatalen in der Beziehung zum herzvollen Vater in Kontakt komme; 2. weil ich zwischen Kind und Job zu straff aufgespannt bin, es zeitlich oder inhaltlich nicht hinkriege Ärztin zu sein und Mama oder zu wenig schlafe. Das ganze Wochenende waren wir zu dritt unterwegs und jetzt habe ich Herzklopfen, Unruhe, Anspannung. Nicht weil wir uns streiten, das tun wir nicht, sondern weil es immer und immer wieder das selbe Fatale, Verzerrte ist, weil ich immer und immer wieder das ganze gottverdammte Ehe-Tandem alleine vorwärts bringe, alleine lenke. Kind, Katzen,  Kladderadatsch hinten dran. Es ist so behäbig, so anstrengend, so zum Verrückt-werden, dass ich verrückt ...

Wir sind besonders innig

Wir sind seit ein oder zwei Wochen ganz besonders innig, das herrliche Kind und ich. Babymoon. Eine wunderbare Phase. Trotz der Trotzanfälle ab und an. Wir sind gleichermaßen anhänglich, ich habe den Verdacht wir verstärken das gegenseitig. Zusammen sind wir froh. Und tatsächlich, ich bin aktuell wenig angestrengt, Spielplatz die Tausendste oder das selbe Buch jeden Abend fällt mir leicht, weil er es ist, weil wir es sind.  Wir halten uns an der Hand, er ruf Mama?? auch wenn ich neben ihm sitze, ich küsse ihn deutlich mehr als die gewohnten 12zigtausend Mal. Wenn ich dusche, sitzt er vor oder sogar in der Wanne und spielt mit seinen Autos. Wenn er morgens seinen Fuhrpark durch den Flur schiebt und "Kakikakaaa, Wiuwiuwiu" singt, sitze ich mit meinem Kaffee auf dem Boden dabei. Letzte Woche war der Abschied in der Kita ein Mal besonders schwer, ich musste kurz darauf die Leitung anrufen, was ich noch nie gemacht habe, und sie bitten nach ihm zu sehen. Ob er wieder froh wäre....

Wir suchen eine Wohnung

Wir suchen eine Wohnung. Jeder eine eigene, der vollherzige Vater und ich. Ich, das sind das herrliche Kind und ich. Wo die Katzen leben werden, wissen wir noch nicht. Alle wollen wir nahe beieinander wohnen. Quasi um die Ecke, Familie eben. Mein 28. Umzug in 36 Jahren. Zirkuskind. Nomadin. Auf der Suche nach Zuhause. Nach meinem Platz. Und so bin ich umgezogen und habe probegesessen, es dort versucht, woanders probiert. Manchmal nur Vorübergehend mit Ansage. Aber immer wieder voller Hoffnung. Immer wieder habe ich gedacht, jetzt komme ich an, jetzt stimmen die Quadratmeter, die Lage, die Raumaufteilung. Was ich lange nicht verstanden habe ist, dass es darum nicht geht. Ankommen. Irgendwo. Ist nicht außen. Ich brauche einen Ort, natürlich; meinen Boden unter den Füßen brauche ich und den Raum drumherum. Weil es um den Raum drumherum geht, den ich mir aneignen muss und mich wiedererkennen in meinem Leben. Dann bin ich Zuhause. Mein Lehranalytiker würde sagen, ja sicherlich. Jahre h...