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Falling Out

Nachts hat das herrliche Kind Fieber. Und wie man es auch dreht und wendet, auch heute ist es wieder mein Falling Out. Der herzvolle Vater hat noch 5 Tage bis zur wichtigsten Prüfung seiner Ausbildung. Und muß ohnehin am Wochenende hier sein. Ich habe Samstag und Sonntag Dienst. Und so. Ist es. Morgens alles absagen, verschieben, um Vertretung bitten. Bin ein kleines bisschen routinierter dieses Mal. Es hilft auch zu wissen, dass ich beide Dienste machen werde. Beide Wochenend-Dienste. Und dann haben das Kind und ich einen Tag zusammen. Spielen zusammen, kochen zusammen, gucken Kinderfernsehen zusammen, malen und backen Brot zusammen. Nachmittags sind wir ein bißchen in unserem Hinterhof, im Gärtchen, rutschen 86 Mal. Draußen hat es 10°C. Trotz Grau und Feucht riecht es nach Zuversicht. Und dann badet er und ich sitze auf dem kleinen Hocker daneben. Kein Fieber mehr im Tagesverlauf. Aber wieder Husten. Vor allem aber ist heute ein extra Tag zusammen. Gut so. Morgen se...

Dysphorie

Ich habe mir Essen für morgen vorbereitet. Sitze jetzt mit der Schüssel im Bett und esse es auf. Aus Übellaunigkeit. Mein Tag war schön. Ich bin schrecklich mürrisch und gereizt. Den Weg von der Kita nach Hause bin ich heute früh mit meiner Freundin M. gegangen und wir haben spontan entschieden, dass ich auf ihr Baby aufpasse, während sie zum Osteopathen geht. Gute zwei Stunden waren wir zu zweit, das 3 Monate alte Kindlein und ich. Fläschchen, wickeln, hoppern, singen. Der gute alte Wipp Bounce Schritt. Ich kann es noch. Dann haben M. und ich zusammen gegessen und uns daran erinnert, wie unheimlich komplex uns genau dieses Programm beim ersten Kind vorgekommen ist. Schön war das. Alles. Der Mini Ausflug in die Mama Baby Ei Zeiten, Mittagessen mit meiner Freundin, reden. Danach in Rekordzeit Haushalt und einkaufen im Discounter. Ich mache Ernst. Was Geld zusammen halten angeht. Grundnahrungsmittel kaufe ich im Discounter. M. war mit dabei. Hat mich ein bißchen supervidiert. Hab...

Morgen habe ich Zeit

Morgen habe ich einen Tag Freizeitausgleich. Das schlechte Gewissen ist jetzt schon da, weil ich das herrliche Kind in die Kita bringen werde um ein paar Stunden für mich zu sein. Tatsächlich ist es das erste Mal seit 2 Monaten, dass ich mehr als 2 Stunden Pause habe. Verdient also. Trotzdem. Fällt es mir immer schwer. Diese Zeit nicht zu teilen mit dem Kind. Morgen also. Zeit um zu Schreiben.

Ich brauche eine Pause

Der Januar im Norden ist schrecklich. Schlimmer ist nur noch der Februar. Es ist grau, es ist kalt, es ist nass in jeder vorstellbaren Variante. Feuchter Nebel. Sprühregen, der so fein ist, dass sozusagen die Luft nass ist. Sinnflutartiger Regen. Dauernieseln. Außerdem geht der Wind, manchmal sturmböenartig. Treibt das Nasskalte durch jede Kleidung. Alles ist klamm. Mir ist hier nicht einfach kalt, ich friere knochentief. Heute ist der 28. Januar. Ich habe noch 5 Euro. Für 3 Tage. Das reicht für die Milch. Alles andere ist eingekauft. Brot habe ich gestern gebacken. Ich finde es irgendwie auch entlastend, den Rest der Woche nur noch Milch einzukaufen. Ansonsten auch am Konsum nicht teilzunehmen. Ich nehme es jetzt ernst. Das mit dem "Geld zusammen halten". Wenn ich unbedingt, unbedingt, unbedingt shoppen will, lege ich Blusen und Strickjacken und Kleider in meinen Online Versand Warenkorb, suche liebevoll aus, kaufe nicht.  In der Klinikküche klaue ich 3 Tabs für de...

Um halb 6 Uhr morgens

Um halb 6 Uhr morgens stehen wir auf. Das ist super. Es geht mir gut, obwohl die Nacht unruhig war. Das herrliche Kind hat viel geträumt, im Schlaf immer wieder geweint, hat viel Nähe gebraucht. Während wir Kaffee und Kakao trinken, denke ich darüber nach, wie absurd es ist, so kleine Kinder nachts in ihr Bett in ein anderes Zimmer zu zwingen. Auch wenn die Kinder Nächte haben wie unsere letzte. Ich habe ja selbst lange gedacht, das ist der Beweis es richtig zu machen, wenn das Kind nachts im eigenen Bett und eigenen Zimmer schläft. Denke jetzt, das ist nicht pauschal für alle Kinder richtig und zu meinem herrlichen Kind passt es nicht. Auch nicht zu mir als Mutter. Den ganzen Tag über denke ich darüber nach, was ich geträumt habe. Ich habe auch unruhig geschlafen. Habe geträumt, dass ich in der 32. Woche schwanger bin und das Baby in mir trage, über dessen Schicksal morgen die Ethikkommission entscheidet. Im Traum war ich nicht verwundert, dass ich es nun im Bauch habe. Habe a...

Ein kleines Gefühl von Zufriedenheit

Das herrliche Kind streicht heute seinen Mittagsschlaf und schläft um 17.30 Uhr im Bett ein. Meiner Berechnung nach ist das halsbrecherisch früh, aber eben die normale Schlafenszeit um die 2 Stunden Mittagsschläfchen vorgezogen. Ich hoffe, wir sind nicht um 4 Uhr morgens wach. Aber wie auch immer, länger hätte er nicht durchgehalten. Es ist also halb 6 und Feierabend und es ist unfassbar luxuriös. Ich könnte jetzt Sport machen, Zeitung lesen, Baden, telefonieren. Essen bestellen. Ich gucke meine Serie zu Ende, 3 Folgen am Stück. Und es ist noch immer früh. Kurz nach 20 Uhr. Das herrliche Kind setzt sich im Bett auf, weint hektisch, schmatzt merkwürdig. "Musst du spucken?", frage ich ihn. Er nickt. Wir sind Sekunden später im Bad. Er rülpst wie ein Elch. Das ganze Kind vibriert. Dann legt er den Kopf auf meine Schulter, murmelt "Mama Bett" und schläft weiter. Ich trage ihn ins Bett zurück. Lege ihn auf seine Seite in meinem Bett. Decke ihn zu. Er häl...

Bis ich damit fertig bin

Im hinteren Hinterhof ist ein Konzert. Ich höre es gedämpft. Singer Songwriter. Wirklich schön. Das mag ich. Danach stehen die Leute im Hof, trinken etwas, reden und lachen. Das höre ich ganz deutlich. Auch das ist schön. Ich mache das gerade nicht. Gar nicht mehr seit fast einem Jahr. Auf Konzerte gehen. Ausgehen. Mir ist nicht danach. Manchmal schon. Aber nicht genug, um mich dann auch wirklich wohl zu fühlen mit den Leuten. Abends will ich für mich sein. Noch nie im Leben wollte ich so wenig unter Menschen sein wie jetzt momentan. Wie in den letzten Monaten. Und ich gucke mir jede Dokumentation über einzelne Menschen an, die ich finden kann. Höre Podcasts, wenn es persönliche sind. Bin aufmerksam bei meinen Patienten. Es interessiert mich. Nur ich will mich nicht mitteilen. Ich möchte nicht. Rede schon. Mit ein paar wenigen Freundinnen, meiner Schwester, meinem Lehranalytiker. Mit denen tausche ich mich aus, erzähle. Aber seit einigen Monaten bin ich kein Teil von. ...

Wie froh er ist

Nebenan schnarcht und schnaubt das herrliche Kind in seinem Bett, ich liege in meinem und bin heute so, so dankbar für das, was ist. Und das ist nicht wenig. Das Kind ist mein großes Glück. Jeden Tag. Nach Hause zu kommen in unser Hinterhof Hexenhaus Zuhause, die Türe aufzumachen und von ihm begrüßt zu werden, ist wunderbar. Der herzvolle Vater und der beste Freund vom herrlichen Kind und der Vater vom besten Freund sind da, als ich heute nach Hause komme. Es ist laut und fröhlich und es riecht nach Zwiebeln und Pommes. Gleich nach mir kommt die Mama vom besten Freund und für ein paar Momente sind wir zu viert mit unseren Jungs. Machen Pläne fürs Wochenende. Sind vertraut. Dann ziehen wir uns alle die Jacken an, bringen sie zum Auto. Und wir drei spazieren zwei Bushaltestellen weit in Richtung Wohnung des herzvollen Vaters. Es ist sehr kalt und sehr nass, dunkel. Der Vater erzählt von seiner Woche, das Kind auf meinem Arm vergräbt sich in meinen riesigen Mantel. Dann steigen...

Nachtrag 23.1.

Das Mittagessen fällt aus. T. sagt ab, er habe so viel zu tun. Ich finde es schade. In erster Linie wird mir aber augenblicklich bewusst, was für eine Seifenoper ich aus dieser Mittagspause gemacht habe. Es ist mir peinlich. Vor T. Der das ja gar nicht weiß. Ich sage, ach ja, klar, kein Problem. Und renne schnell weiter. Ich habe eine komplette Bravo Foto Love Story konstruiert aus einer selbst organisierten Verabredung zum Mittagessen. Albern ist das. Ich geniere mich. Bin irgendwie auch ein bißchen erleichtert. Ich wüsste ohnehin nicht. Wohin das führen sollte. Merke auch, dass ich nicht wirklich bereit bin für die großen und kleinen Date Enttäuschung, die unweigerlich kommen, wenn man sich wieder an die Front wagt. Ich möchte das eigentlich noch nicht. Ist doch noch alles. Zu frisch. Zu früh. Keine Ahnung. Zu akut. Der Daumennagel ist noch blau. Ganz vorne. Vor 6 Monaten war ich an meinem Tiefpunkt. In mir Tabula Rasa. Die Vorstellung, dass ein Mann Tisch oder Bett mit...

Frühling

Ich habe etwas Wichtiges entschieden: ich werde mich bei der Ärztekammer melden und meine Unterlagen für den Facharzt einreichen. Es ist überfällig. Ich habe es mir nicht zugetraut. Bisher. Dachte, ich bin einfach noch nicht so weit. Denke heute, ich bin so weit. Demnächst ganz bestimmt. Jetzt im Grunde auch schon. Und das macht mich froh. Ich sage mir damit, wer ich bin. Einen gewissen Teil von mir lege ich damit fest, mache mich gerade, schwimme mich frei. Leicht bin ich und froh. Die Vögel singen. Es ist mild für Jänner, das finde ich gut. Fahre mit dem Elektroroller. Finde es noch immer super. Gehe mit meinem herrlichen Kind Eis essen in die Eisdiele. Beim Abholen im Kindergarten sagt er zu mir, "Mama, schicke Hose". Ich muss sehr lachen. Wundere mich sehr. Was er schon kann. Wie liebevoll und süß er gerade ist. Kuschelig. Fröhlich. Bevor wir nach Hause gehen, fahren wir nochmal in mein Büro. Das Kind liebt es, mit mir in die Klinik, in mein Büro zu fahre...