Posts

Langsamer, mit weniger Worten

Ich werde vorerst vom täglichen Schreiben ein bißchen abweichen. Jedenfalls manchmal. Das Tempo ist anders. Meins. Irgendwie sammel ich mich gerade zusammen in mir. Muss nachdenken. Langsamer. Ruhiger. Mit weniger Worten. Will mich treiben lassen in meinen Gedanken. Will zu Ende denken, was seit Langem halbfertig geblieben ist. So wie ein Brotteig, der zugedeckt wird, damit er aufgeht. Das lässt sich manchmal nicht formulieren. Jedenfalls nicht jeden Tag. Draußen ist es mild und hell. Wir waren schwimmen, zu viert. Morgen sind wir zu zweit, das herrliche Kind und ich. Der Brotteig geht auf. Das Kind guckt Kinderfernsehen. Ich schneide ihm gleich ein bißchen die Haare. Bald gehen wir ins Bett. Ich lese gerade und gucke Dokus und eine Serie zu den Arktis und Antarktis Expeditionen im 19., 20. Jahrhundert. Es fasziniert mich. Diese Expeditionen in die totale Ungewissheit. Dieser Irrsinn. Freue mich auf meinen Abend.

Heute kann weg

Ich arbeite ohne Pause heute. Dann Abendessen mit dem herzvollen Vater und dem herrlichen Kind. Bin müde. Bin prämenstruell. Aufgeblähter Bauch. Bin hundemüde. Eine Kollegin, deren Kind jetzt 9 Jahre alt ist und die eine ähnliche Geschichte hat, erzähltmir heute, dass sie zwei Jahre lang außerhalb war. Damals. Müde bin ich. Und mein Hals tut weh, noch immer. Habe ich vielleicht dieses Virus, in einer milden Verlaufsform? Ich bin seit 4 Wochen nicht gesund. Ab ins Bett jetzt. Heute kann weg.

Frühfrühling

Die Sonne scheint ab Mittag in mein Wohnzimmer. Mein Wohn- / Esszimmer. Ich mache die Balkontüre auf und setze mich auf den Dielenboden. Im Hinterhof zwitschern Vögel. Vorne rauscht die Straße, gedämpft. Die Baustelle einen Block weiter höre ich auch, gedämpft. Sonne im Gesicht. Die Vögel. Die Sonne weiß noch, wie es geht. Anders als ich. Ich bin auf eine Art zum ersten Mal. Jeden Morgen begutachten das herrliche Kind und ich die Babyblätter an der Hecke. In ein paar Wochen werde ich die Balkonblumen pflanzen. Werde ich eine Palette und ein Palettenkissen anschaffen zum Drauf-Sitzen, Spielen, Dösen. Zum Lesen. Im Gesicht ist mir warm. Die Finger werden kalt. Ein bißchen noch zurückziehen, verstecken, Serie gucken, mit dem Kind einschlafen. Ein bißchen noch Winterschlaf. Und dann kommt wieder ein Sommer. Ich habe eine Steuerrückzahlung bekommen. Einen Teil davon investiere ich in Schuhe und Kleider. Zum ersten Mal überhaupt, glaube ich, denke ich dabei an niemanden...

Nachtrag 25.2.

Eine Auffrischung der Grippeschutz Impfung wird empfohlen im Bezug auf Corona. Mein Ambulanz Kollege sagt, eine Impfung hat er noch hier. Ich sage, ich will sie bitte haben. Auf die Frage, ob ich eh gesund sei, sage ich "na klar". Drei Stunden später habe ich ein Bläschen im Mund. Meinen Patienten sage ich immer, "die Nebenwirkung ist unser Freund, weil keine Wirkung ohne Nebenwirkung". Zuhause nehme ich Lysin. Ich fühle mich wie Frankenstein. Nehme ständig dies oder das und bleibe unverändert verrotzt, heiser, huste und bin grünlich-blass. Zum Schlafengehen noch eine Ibu gegen die Halsschmerzen. Whatever. Es kommt immer ein Sommer, hat mir Pater C. gesagt, der seit einem Tag und einem Jahr nicht mehr lebt. Ich denke an ihn beim Einschlafen. Zeit spielt keine Rolle. Wenn ich an ihn denke, ist er da.

Wieder Angina

Ich leuchte mit der Handytaschenlampe in meinen Rachen und sehe, dass ich wieder eine Angina habe. Kein Fieber. Keine Stippchen. Nehme Ibuprofen gegen die Schmerzen. Werde mich nicht krank melden. So richtig kann meine Arbeit nicht vertreten werden, würde liegen bleiben. Ich werde es mit Ibuprofen versuchen. Eventuell Penicillin dazu nehmen. Ich kann ja so und so nicht nur im Bett liegen. Die Therme geht wieder. Also, wieder warmes Wasser. Das herrliche Kind spricht heute plötzlich in 5 Wort Sätzen. Benutzt das Partizip Perfekt richtig. Hat nach dem Haare waschen die schönsten Locken der Welt. Es muss bitte schnell März werden und Frühling. Diese Viren, der Regen, die Kälte - das muss aufhören.

Sonntag Abend und alles ok

Um 6.25 Uhr wache ich auf. Das herrliche Kind liegt unter meiner Decke, ausgestreckt, der Länge nach an mich gekuschelt, atmet ruhig. Ich kann gar nicht durch die Nase atmen. Das Schlucken tut mir weh, im Hals und in den Ohren. Wenn ich huste, bellt der Brustkorb. Seit 4 Wochen. Bin ich erkältet. Wird es jemals wieder aufhören? Ich bleibe im Bett, werde mir später Kaffee kochen. Höre dem herrlichen Kind zu, wie es schnaubt, wie es gähnt und dabei Geräusche macht wie ein Disneyhäschen. Gucke mich um. Mein noch sehr dunkles Schlafzimmer. Spüre meine Wohnung mehr, als ich sie sehe. Unser Zuhause. Abgesehen von dieser hartnäckigen Erkältung ist mein Leben gerade richtig gut. Ich wünsche mir sehr, dass ich behalten darf, was ich jetzt habe. Ein herrliches Kind. Ein Zuhause. Herzblut im Beruf. Die Familienbeziehung zum herzvollen Vater. Meine Freundinnen. Freie Abende ab und an. Ein Samstag Morgen im Bett, der damit beginnt, dass ich aufwache, von selbst, vor dem ...

Fix und fertig und glücklich

Morgens komme ich nach Hause, mit dem Einkauf und Brötchen. Mit Bindehaut Entzündung, weil Kontaktlinsen zu lange drinnen gestern und nur 4 Stunden Schlaf. Konnte nicht einschlafen. War um 1 Uhr im Bett und bis 3 Uhr wach. Alles so ungewohnt. Und zu viel Cola. Das herrliche Kind macht mir die Wohnungstür auf, ist allerbester Laune. Es riecht nach Kaffee, das große Kind macht Spiegelei, der herzvolle Vater räumt den Geschirrspüler aus. Alle drei sind fröhlich, erzählen gleichzeitig. Sichtlich stolz. Spürbar zusammen gewachsen. Ich freue mich. So sehr. Zu sehen, wie gut es ihnen geht. Das war ein schöner Abend für alle und ein guter Morgen. Die Männer sagen, sie wollen das jetzt öfters machen. Ich freue mich. Ein Meilenstein. Ich werde Zeit haben und Ruhe. Kann Essen gehen mit Freunden, zum Sport gehen. Kann ins Theater oder ins Kino. Kann für den Facharzt lernen. Oder einfach nur in der Wohnung vom herzvollen Vater in der Badewanne sitzen und lesen. Und weiß, dass es ...

Tanze um mich zu erinnern

Ich bin auf der Klinik Feier. Das mit dem Trinken klappt so leidlich. Eine Zigarette habe ich geraucht. Ich tanze. Dann wieder nicht. Wie Fahrrad fahren ist es nicht. Das. Mit dem Ausgehen. Irgendwas macht mich parallel traurig. Dann kommt wieder ein Song. Ich tanze nicht um zu vergessen. Ich tanze, um mich zu erinnern. Ich tanze. Vermisse das herrliche Kind. Dann wieder nicht. Wo bin ich hier. Bin ich. Hier. Dann läuft ein Song von den Absoluten Beginnern. Ich vermisse meinen Bruder. Tanze. Das Schwere ist auch hier. Ist auch. Noch ein Song. Dann gehe ich. Irgendwie muss man eben anfangen. Fange ich an. Tanze noch ein Mal, um mich zu erinnern.

Eingeschlafen

Eingeschlafen mit dem herrlichen Kind, aber in meinem Bett, also ausgestreckt, entfaltet, gemütlich. Morgen ist Freitag, ich schlafe auswärts. Nicht zum ersten Mal, aber zum ersten Mal seit ungefähr 10 Monaten. Ich werde ausgehen. Ich überlege, was ich anziehen soll. Ich bin aufgeregt. Mache mir kaum Gedanken um das herrliche Kind, ich weiß, das wird schon. Irgendwie weiß ich das ja. Dass er zurecht kommt. Dass er grundsätzlich vollgetankt ist mit Liebe und Sicherheit und Kontinuität. Außerdem ist er bei seinem Papa. Dr herzvolle Vater freut sich auch. Scheint auch aufgeregt. Auch er hat 10 Monate nicht mehr direkt beim herrlichen Kind übernachtet. Also eingekuschelt unter einer Decke. Ein wichtiger Abend ist das morgen. Für uns alle. Und jetzt nehme ich das Kind wieder in den Arm und schnuppere an seinen Löckchen.

Nachtrag 19.2.

Ich höre ein Feature über André Müller im Radio und eine Frage, die er in einem seiner Interviews stellt, lautet: Wie schaffen Sie den Tag ohne wahnsinnig zu werden? Ich vermisse Österreich. Die Nähe zum Verhunzten, Kaputten, Halben. Das Ungenaue. Und die Sonne. Noch 9 Tage Februar, dann hoffentlich Frühling.